Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

die Wasserrahmenrichtlinie 

Die WRRL fordert den  "gute ökologischen Zustand" (bzw. das "gute ökologische Potential") für alle Fließgewässer der Mitgliedsstaaten und setzt neue Maßstäbe in puncto Gewässerschutz. Sie sind der Grund dafür, dass für unsere heimischen Bäche und Flüsse endlich  ein Silberstreifen am Horizont erkennbar ist.


 

Was steckt hinter der EG-WRRL?

Die WRRL ist für den Zustand der europäischen Fließgewässer ein „Geschenk des Himmels“.

Nachfolgend versuchen wir die wesentlichen Punkte und die Bedeutung dieser Richtlinie, mit unseren eigenen Worten, möglichst einfach zusammenzufassen. Du hast sicher Verständnis dafür, dass diese Zusammenfassung keinerlei Rechtsanspruch  hegt und kannst uns auch kleinere Fehler bzw. stark vereinfachte Sichtweisen nachsehen. Diese „Übersicht“ wurde jedenfalls nach bestem Wissen und Gewissen erstellt.

Die WRRL ist (meiner Meinung nach) mit das sinnvollste, was in Brüssel je beschlossen wurde. Ohne diese Richtlinie wäre im Tiefland von NRW wohl niemand freiwillig auf Idee gekommen unsere Bäche in einen naturnahen Zustand zu versetzen, hat man doch Jahrzehnte lang alles dafür getan unsere Gewässer in leistungsfähige Abwasserkanäle zu verwandeln.

Jetzt hat das längst überfällige Umdenken in der Gewässerunterhaltung, in den meisten Köpfen der zuständigen Personen und Behörden Einzug gehalten. Das „Prinzip des schnellen Abflusses“ hat sich auf tragische Weise als nicht praxistauglich erwiesen. Zusätzlich zu den unvorstellbaren Schäden am „Lebensraum Fließgewässer“ hat die Kanalisierung dazu geführt, dass Hochwasserspitzen nicht mehr abgefedert werden können und die Anlieger an den Unterläufen regelmäßig „absaufen“. Neben den neuen Hochwasserschutzkonzepten ist es maßgebend der WRRL zu verdanken, dass die Sünden der Vergangenheit endlich rückgängig gemacht werden.

Bei der Analyse, in wie weit die Forderung der EG erfüllt wurde bzw. noch zu erfüllen ist, setzt die WRRL im Vergleich zu ähnlichen, vergangenen Maßnahmen für den Gewässerschutz neue Maßstäbe. Der Erfolg bezieht sich nicht, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war, auf einzelne quantifizierbare Einflussfaktoren, sondern direkt auf das ganzheitliche angestrebte Ziel. Das heißt, dass nicht die einzelnen Maßnahmen betrachtet werden, die vermutlich dazu führen, dass sich der ökologische Zustand verbessert, sondern der „ökologische Zustand“ selbst. 

Solange nicht alle Lebewesen im und am Wasser wieder eine gesunde Artenvielfallt und Individuendichte bilden, ist das Ziel nicht erfüllt.


 

Welche Erfolgsindikatoren betrachtet die WRRL?

Im Zentrum der WRRL stehen die Lebewesen im und am Wasser (die biologischen Erfolgsindikatoren) 

die Fischfauna: 
Die angetroffene Fischlebensgemeinschaft wird mit einer Referenz-Fischzönose laut FiGt verglichen. Diese Betrachtung erlaubt eine räumlich und zeitlich integrierende Bewertung des Lebensraums. Änderung der Artenanzahl, Zusammensetzung und Altersstruktur erlauben Rückschlüsse auf strukturelle und hydrologische Veränderungen, über einen langen Zeitraum.          

das Makrozoobenthos:
Die Bewertung der Lebensgemeinschaft von (Würmern, Schnecken, Muscheln Krebstieren, Wasserinsekten, …) erlaubt sowohl Rückschlüsse über die Wasserqualität (bzw. die organische Belastung), als auch über die Morphologische Missstände eines Fließgewässers.

das Phytoplankton: 
Dieser Indikator spielt, zumindest an der Bocholter Aa,  keine wirklich entscheidende Rolle und kann außer Acht gelassen werden

die Gewässerflora: 
Die Lebensgemeinschaften der Gewässerflora  (Phytobenthos, Kieselalgen,Makrophyten) lässt eine Gesamtbewertung, also eine Aussage über den ökologischen Zustand, am ehesten zu. Sie erlaubt Rückschlüsse über trophisch-, saprobielle- und hydromorphologische Gegebenheiten.

 

Im Zuge der WRRL wurde im Jahr 2012-13 zwar noch die Gewässerstrukturgüte betrachtet und Protokolliert, wie bereits beschrieben, liegt das Hauptaugenmerk allerdings  nicht auf den Strukturen sondern den Lebewesen, weshalb dieser Indikator nicht wirklich in den Bewertungsprozess über die Zielerfüllung einfließt. 


 

Forderungen & Umsetzung der WRRL

Laut den Bestimmungen aus Brüssel müssen alle Oberflächengewässer und das Grundwasser bis 2015 in einen „guten ökologischen Zustand“ versetzt werden. In Ausnahmefällen, kann diese Frist auf 2021 bzw. 2027 verlängert werden. Für „extrem veränderte Fließgewässer“ ist das Erreichen des „guten ökologischen Potentials“ ausreichend. Eine besondere Betrachtung kommt allen Fließgewässern mit einem Einzugsgebiet (EZG) > 10 km² zu. Diese zählen zu den „berichtspflichtigen“ Gewässern, in denen der Zustand und die Entwicklung regelmäßig, anhand der Erfolgsindikatoren, überprüft wird. Dies heißt allerdings nicht, dass die Wiederherstellung des „guten Zustands“ für Bäche mit einem EZG < 10 km² nicht ebenso gefordert wird, wie es bei den berichtspflichtigen der Fall ist.

Der „gute ökologische Zustand“ bezieht sich auf den natürlichen Zustand eines Gewässers, entsprechend seiner Typologie und ist genau beschrieben. Das heißt es wurde genau festgelegt, welche Lebewesen im und am Wasser anzutreffen seien müssten, befände sich das Gewässer in einem vom Menschen unbeeinflussten Zustand. Diese Lebensgemeinschaften sehen z.B. in der „Brassenregion“ eines Tieflandbaches ganz anders aus als es z.B. im „Oberen Forellentyp“ der Fall ist.

Das erste große Problem unserer Region bestand darin, festzustellen welche Arten im natürlichen Zustand zu erwarten sind. Da seit vielen hundert Jahren (Beginn der Stauhaltung im 13. Jahrhundert / ersten Wasserbaulichen Maßnahmen durch die Römer), im Tiefland von NRW, kein natürliches Gewässer und auch keine Aufzeichnungen über ein solches Gewässer existieren, keine einfache Aufgabe.

Für die, zum Abwasserkanal degradierte Bocholter Aa gilt das „gute ökologische Potential“. Im Gegensatz  zum „guten Zustand“ ist dieses noch nicht genau definiert. Auch ist einen Zielerfüllung bis 2015 (aber auch bis 2021) an der Aa Utopie. 

Die Umsetzung der WRRL wird in der Bundesrepublik über das geänderte „Wasserhaushaltsgesetz“ und in den Länder über die entsprechend überarbeiteten „Landeswassergesetze“ und diversen „Zusatzverordnungen“ beschrieben. Ein typisches Beispiel ist das „Handbuch Querbauwerke, NRW“ das genau beschreibt welche Parameter in einer Fischaufstiegsanlage eingehalten werden müssen. Als Erfolgsindikator gilt weiterhin die Flora & Fauna, es wurde aber festgestellt, dass diese ein durchgängiges Gewässer zwingend erfordert. Von daher wurde festgelegt, wie die Stauwehre entsprechend umzugestalten sind.


 

Ablauf der Umsetzung

Der Ablauf lässt sich grob in drei Phasen gliedern:

         Bestandsaufnahme &  Zielfestlegung (Wo sind wir? / Wo wollen wir hin?)

            Zu Beginn der WRRL stand die Bestandsaufnahme. Es galt den „vorherrschenden ökologischen Zustand“ unserer             Gewässer zu protokollieren. Dafür war das Erreichen eines weiteren Meilensteins im Prozess der Wiederherstellung             des  „guten ökologischen Zustand“ aller relevanten Gewässer erforderlich, die Bestimmung von Referenzgewässern was             sich für die Bäche im Deutschen Tiefland (wie bereits erwähnt ) äußerst schwierig gestaltet hat.

         Planung & Ausarbeitung (Wie kommen wir da hin?)

            Nach dem die Referenzen und die Ist-Situation erfasst war, konnte die Ausarbeitung sogenannter             Umsetzungsfahrpläne (UFP) beginnen. Dazu wurden Arbeitskreise gebildet, die mehrfach am „Runden Tisch“             diskutierten. Bei diesen Treffen wurden die nötigen Maßnahmen erarbeitet, die für die Erfüllung der WRRL zwingend             erforderlich sind und ein grober Zeitplan festgelegt.

         Umsetzung & Überwachung (Läuft alles nach Plan?)

            Es wurden inzwischen mehrere Maßnahmen, durch unterschiedlich Beteiligte, umgesetzt, Einige stehen kurz vor der             Umsetzung, viele warten noch auf ihre Realisierung. Die Erfolgskontrolle und ggf. nötige Anpassungen der UFP werden             regelmäßig durchgeführt.  Inzwischen  spricht man, zumindest in NRW von der „zweiten Phase“ der WRRL. Bei der             nötige grundsätzliche Anpassungen der Pläne angedacht sind.  


 

Deine Hilfe ist gefragt 

Die Umsetzung der WRRL liegt nicht direkt in der Verantwortung der Angel- u. Naturschutzvereine, darf aber keinesfalls an uns vorbeigehen!

Jahrzehnte lang sind viele unserer Maßnahmen der „harten Gewässerunterhaltung“ zum Opfer gefallen und waren sowohl von den Unterhaltungspflichtigen als auch von vielen Grundeigentümern unerwünscht. Heute ist unser Hilfe und unsere Erfahrung am Wasser gefragt und wird von allen Zuständigen begrüßt. Meiner Meinung nach steht jeder, der sich über den ehemals „stiefmütterlichen“ Umgang mit unseren Bächen beschwert hat heute in der Pflicht etwas zu ändern.

Eigene Maßnahmen zu planen und Umzusetzen ist wesentlich einfacher als man es sich vorstellt. Du kennst doch mit Sicherheit unzählige Strecken die eine strukturelle Aufwertung bitter nötig hätten?!  

 

 


                                                                                                                                                     zurück zum Anfang Gewässerschutz